So nun will ich euch an der Stelle hier erzählen wie wir am Wochenende den Start in den Dezember und den 1. Advent verbracht bzw. erlebt haben.
Unserer Tour nach Nikko, die wir schon einige Male geplant hatten, aber nie angehen konnten, weil immer irgend etwas dazwischen kam, sollte dieses Wochenende nichts mehr im Wege stehen. Deshalb hatten wir die Unterkunft auch schon am Anfang der Woche gebucht um nicht wieder wegen lauter ausgebuchten Unterkünften die ganze Sache nach hinter verschieben zu müssen.
Am Freitag habe ich es mal gewagt ein weniger früher heim zu gehen (kleine Anmerkung: ich habe letzten Monat 9 Überstunden erarbeitet, was hier zwar Nichts ist, aber wir Interns sie jedoch nicht ausbezahlt bekommen im Gegensatz zu den Anderen Mitarbeitern) um mit noch 2 Anderen nach Shibuya zu fahren und ein wenig shoppen zu gehen. In Shibuya angekommen erwartete uns zum „normalen“ japanischen Großstadtlichtermeer eine wahre Flut an Weihnachtsschmuck. Ich glaube, dass wird das erste Jahr werden, in dem ich schon vor Weihnachten die Nase von Weihnachten voll habe. In den Städten gibt es keinen einzigen Quadratzentimeter mehr, der nicht voll mit Weihnachtsschmuck ist und der nicht leuchtet oder blickt. Man bekommt wirklich sobald man hier auf die Strasse geht von allen Seiten Weihnachtsliederdauerbeschallung. Also von den Japanern, was Weihnachtsschmuck und Weihnachtsbeleuchtung angeht, können die Amerikaner wirklich noch einiges lernen und das soll was heißen. Wenn es ein Volk wirklich übertreibt mit all dem, dann sind es die Japaner. Mal abgesehen dreht sich hier eh Alles ausschließlich um den Konsum und somit wird auch Weihnachten hier bis zum Letzten ausgeschlachtet obwohl die Japaner ja Buddhisten und Hinduisten sind und ja eigentlich kein Weihnachten feiern.
Somit sind wir 3 dann mit absoluter Reizüberflutung nach dem Einkaufen ins Dorm zurück und dann auch recht früh (kommt darauf an wie man 1 Uhr Nachts beziffert) schlafen gegangen, da unser Samstag bereits um 4.30 Uhr wieder starten sollte. Somit also kaum Augen zu gehabt, da hat mich der Wecker auch schon wieder aus meinen Träumen gerissen.
Nach letztendlich 4 Stunden Bahnfahrt sind wir dann in Nikko angekommen. Nikko ist eine alte Buddhistische Tempelstadt auf 1440 Metern Höhe mitten im Wald zwischen Gebirgsseen und Wasserfällen. Zudem ist Nikko zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden. Was uns jedoch erstmal außerhalb des Bahnhofes erwartete war Alles andere als das. Alles war runtergekommen, dreckig, kaputt und überall wurde gebaut (also so wie Japan in Wirklichkeit überall aussieht aber dazu später mehr).
Sollte das hier wirklich Nikko sein, von dem jeder schwärmt und auf das wir uns schon lange gefreut hatten oder haben wir uns vielleicht einfach nur schlichtweg verfahren weil wir in den falschen Zug gestiegen sind?
Wie sich dann schnell rausstellte hatten wir uns nicht verfahren, jedoch war das der „neuere“ Teil von Nikko, der mit dem etwas höher in den Bergen gelegenen alten Nikko Nichts zu tun hat.
Als erstes haben wir uns auf dem Weg zu unserer Unterkunft gemacht. Was wir bei der Buchung im Internet noch nicht wussten war, dass wir uns für gerade mal 19 Euro ein Zimmer in einem Art Waldschlösschen gebucht hatten. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt war es auch so eingerichtet. Mit richtig großen, tiefen und urigen Sofas, mit holzbeheiztem Kamin. Mit einer Art „Rittertischen“ und und und…. Also einfach nur so etwas von urig und ungemein gemütlich. Der Samstag war dann für die Tempelanlagen in reserviert. Die Tempel waren wirklich unheimlich prachtvoll und fast schon zu bunt und golden was alldem schon eine kitschige Note verpasste. Natürlich ist es jedes Mal sehr schön die prachtvollen Tempel zu besichtigen und es gleicht auch kein Tempel dem Anderen aber irgendwie hat man so langsam das Gefühl, dass man so etwas eben doch schon mal gesehen hat. Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir dann wieder in unsere Unterkunft gegangen, die extrem gering frequentiert war das Wochenende (insgesamt nur 4 weitere Gäste).
Vor dem Abendessen hat uns der Inhaber (er Japaner mit dem Namen Ken und seine Frau Amerikanerin) noch kurz in die Stadt gefahren, damit wir uns noch etwas Suesses und natürlich noch etwas zu trinken für den Abend besorgen konnten. Zur Abwechslung habe ich mir mal mit dem Georg zusammen 3 Flaschen Wein gekauft und da wir ja arme Praktikanten sind haben wir uns den billigsten Fussel geholt den es dort zu kaufen gab (1,50 Euro die Flasche), damit es am nächsten Tag auch ja eine dicken Schädel gibt. Denn wir wollten ja auch am nächsten Tag noch was von unseren 1.50 Euro haben.
Abendessen gab es dann in der Unterkunft. Alle, bis auf mich, hatten Spagetti. Ich hatte mich dann doch eher für Curryreis entschieden. Der Abend endete dann gemütlich mit ein „wenig“ Alkohol in dem Gemeinschaftswohnzimmer auf den riesen Sofas und vor dem Kamin bei nicht immer tiefsinnigen Gesprächen.
Am Sonntag wurden wir dann um halb neuen aus den Federn geworfen, da es nur bis 9 Uhr Fruehstuecksbuffet gab. Nachdem wir dann unsere Sachen gepackt hatten sind wir mit dem Bus auf einen der höchsten Berge in der Umgebung gefahren (2400 Meter) und ich habe doch tatsächlich den ersten Schnee gesehen (habe mich dann auch gleich wie ein kleines Kind reingeworfen) und gemerkt wie sehr er mir hier fehlt. Tja, da ich dieses Jahr wahrscheinlich weniger zum Wintersport komme, muss ich dann vielleicht doch meinen nächsten Sommerurlaub auf einem Gletscher in der Schweiz machen oder sonst irgendwo im Norden wo das ganze Jahr Schnee liegt.
Auf jeden Fall ist das Dorf auf dem Berg bekannt für seine Schwefelquellen, was unseren Nasen während dem Aufenthalt dort auch keine Minute entgangen ist.
Natürlich mussten wir dann auch einen Schwefelonsen ausprobieren, der direkt aus einer heißen Quelle gespeist wurde. Also das Wahre war es nicht gerade, da in der trüben Brühe lauter weise Schwefelfäden geschwommen sind und die natürlich überall am Körper kleben blieben. Selbst nach langem Duschen hat man diesen Schwefelgeruch nicht mehr aus der Nase bekommen. Selbst jetzt, wo ich gerade am Blog schreiben bin (man bedenke es ist Dienstag und ich habe mich seit dem 3 mal geduscht und damit meine ich nicht nur kurz in die Luft gespuckt und darunter gestellt) habe ich ab und zu noch diesen Schwefelgeruch in der Nase (ich hoffe das riechen die Kollegen nicht). Worüber ich mir im Vorfeld natürlich keine Gedanken gemacht hatte war die chemische Reaktion von Schmuck und Schwefel. Tja das Ende vom Lied war jedenfalls, das ich seit dem Schwefelbad einen leicht dunkleren Ohrring trage (zuvor richtig schön goldgelb) und eine Ring, an dem die goldenen Stellen jetzt schwarzblau sind. Naja, sieht zwar alles recht interessant jetzt aus aber irgendwie hat mir das Zeug zuvor doch eine Nuance besser gefallen.
Nach dem Onsen begann dann unsere Wanderung durch die Hochebene vorbei an Wasserfällen, endlos schönen und vor allem richtig klaren Gebirgsseen. Ich habe zuvor noch nie so klares Wasser gesehen, bei dem man wirklich die ganzen Fische im See (vorausgesetzt natürlich sie waren nah am Ufer) sehen konnte. Wie traumhaft die Landschaft war könnt ihr ja an den Bildern sehen. Mittag gegessen wurde dann direkt an einem kleinen Restaurant direkt an einem Wasserfall. Zu Essen gab es natürlich Udon (Nudelsuppe mit diesen dicken Nudeln). Was Essen angeht, sind die Japaner ja nicht gerade sehr variationsreiche Köche. Weiter ging es dann durch eine Sumpflandschaft im Gebirge in der noch Hochlandaffen frei leben. Kurz hatten wir auch das Glück einen zu Gesicht zu bekommen aber ansonsten war wir wahrscheinlich die meiste Zeit die Affen in dem Gebiet. Da es sich ja um eine Moorlandschaft handelte war die einzige Möglichkeit voran zu kommen, auf schmalen Stelzenwegen zu laufen. Beschreiben kann ich die Landschaft gar nicht so ausführlich, da ich sonst nur mit Superlativen um mich schmeißen würde und ihr euch auch irgendwann denken würdet: naja, jetzt komm mal wieder runter so toll war es ja bestimmt auch nicht immer. Aber seht euch einfach die Landschaftsbilder an. Man muss aber auch dazusagen, das Japan in Wirklichkeit ein wahnsinnig (man beachte hier, nur „fast“ Superlativ) hässliches Land ist. Also außerhalb von diesen Plätzen ist Japan wirklich runtergekommen. 90% der Häuser hier sind Plattenbauten und wie gesagt, außerhalb von diesen Plätzen, die immer im Fernsehen gezeigt werden bzw. die keine Sightseeingattraktionen sind, kommt man sich hier wirklich wie im hintersten Russland vor. Also wirklich alle Interns waren richtig enttäuscht wie Japan eigentlich wirklich so aussieht. Ihr müsst euch ja nur mal das Bild von unserem Dorm ansehen. Es ist eben alles grau, alt und runtergekommen und so viele Gebäude stehen leer und verrotten. Es gibt offene Kanalisation und alle Stromkabel sind hier oberirdisch verlegt. Ich werde demnächst mal ein paar Bilder online stellen wie Japan hier eigentlich wirklich so aussieht, also wie ich Japan tagtäglich sehe. Tut hier jetzt aber nichts zur Sache, also wieder zurück zum Ursprünglichen. Unsere Wanderung ging dann auch bis zum Einbruch der Dunkelheit. Nachdem die Sonne weg war wurde es innerhalb von ein paar Minuten extrem Kalt aber Gott sei Dank hatte ich ja meine Jack Wolfskin Jacke dabei, die mich vor schlimmeren bewahrte. Um 7 Uhr abends haben wir dann den letzten Zug wieder in Richtung Dorm genommen und sind dann wirklich totmuede gegen halb eins in Bett gefallen.
Ich hoffe die Geschichte hat euch gefallen und ihr schaltet demnächst mal wieder ein wenn es heisst: „Was der kleine Kerl doch so alles erlebt bei unseren Reis essenden Japanischen Freunden“ ;-)