Sonntag, 25. November 2007

Langes Wochenende

Es ist schon verrückt wie schnell doch die Zeit an einem vorbeiziehen kann, vor Allem wenn es sich um ein langes Wochenende handelt. Würde die Zeit im Geschäft auch so schnell an einem vorbeifliegen, dann hätte ja man ja gar nichts mehr vom Leben.

Auf jeden Fall hatten wir hier in Japan am Freitag Thanksgiving Day und die Hälfte der Japaner hat mitgefeiert. Die Andere Hälfte war im Dienstleistungssektor tätig und musste arbeiten, so dass wir (die glückliche nicht schaffende Bevölkerung) alle Annehmlichkeiten wie auch unter der Woche hatten!

Der eigentliche Plan für das Wochenende lautete eigentlich Hiroshima. Jedoch mussten wir davon relativ schnell abrücken, da die Japaner jeden freien Tag nutzen um zu reisen und so war Hiroshima restlos ausgebucht, sowohl was Schlafmöglichkeiten als auch Transportmöglichkeiten betroffen hat. Unser Ausweichplan, der uns eigentlich nach Nikko führen sollte musste auch relativ schnell umgeworfen werden, da wir hier mit der gleichen Situation wie mit Hiroshima konfrontiert waren. Nachdem wir bis Donnerstagabend dann so ziemlich bei jedem Reisziel gescheitert sind was Schlafmöglichkeit und Transport anbelangt, sahen wir uns schon das lange Wochenende im Dorm rumvegetieren. Auf die letzte Minute haben wir dann noch einen Mietwagen organisieren können, was uns zu überschwänglicher Freude bewegte. Hätten wir jedoch zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass wir, als 5 ausgewachsene Europäer, soeben einen Nissan March (kaum größer als ein VW Lupo) gemietet hatten, hätte sich unsere anfängliche Euphorie sicherlich ein wenig mehr in Grenzen gehalten.

Also, unwissend was uns erwarten würde, sind wir dann am Freitag morgen um 7 Uhr nach Shinjuku gefahren um unser großartiges Raumwunder in Empfang zu nehmen. Naja, zu allem Übel war das Auto dann sogar noch in Kotzgrün. Somit waren uns dann die Blicke auf der Straße sicher. 5 Europäer in einem winziges kotzgrünen Wagen, eine wahre Attraktion für manch einen Japaner. So etwas hätte uns jedoch nicht aufhalten können. Also Ziel ins Navi eingegeben und los. Das das Navi für eine Stecke von 134 km 5 Stunden Fahrzeit eingeplant hat, hielten wir anfangs schlicht für einen Fehler im System. Somit als Start um ca. 8 Uhr an der Autovermietung. Wer hätte es gedacht, Ankunft in Kawaguchiko um 13 Uhr. Tja, wer hatte jetzt den Fehler im System? Eins war klar, das Navi hatte es nicht, eher wir mit der Einschätzung von Verkehrsfluss auf japanischen Straßen. In Kawaguchiko haben wir dann erstmal versucht eine Unterkunft zu bekommen was natürlich nicht hingehauen hat. Den restlichen Tag haben wir dann damit verbracht uns ein paar Seen anzusehen und ein wenig rum zu laufen. Es ist einfach herrlich wenn man Seen hat, die von lauter Gebirge umgeben sind und die Bäume auf den Bergen in allen Farben leuchten. Dazu war das Wetter wieder mal absolut herrlich bei schönstem Sonnenschein. Kalt war es dennoch.

Am Abend waren wir dann noch in einem Onsen, der uns sehr empfohlen (kann man eigentlich was sehr empfehlen?...naja egal) wurde. Es wurde uns hier auch nicht zu viel versprochen. Der Onsen hatte eine atemberaubende Aussenanlage, die wie eine Gebirgslandschaft gestaltet war und man sich wie in einer Art Wildwasserlauf vorkam. Um das ganze noch auf die Spitze zu treiben, dass man wirklich nicht mehr wusste ob man jetzt in der Natur ist oder nicht, waren die Steinbecken nur durch eine ca. 1 cm hohe Steinmauer von einem Fischbecken getrennt in denen richtige Fische waren. So hatte man das Gefühl, dass Alles ein einziges Becken ist. Da ich das zuerst nicht wusste, dachte ich, ach das ist nur eine kleine Abtrennung zwischen 2 Becken und war schon zur Hälfte in dem anderen Becken (es war eisig kalt, so dass ich dachte es ist ein Becken zum Abkühlen), als ich plötzlich lauter Koifische zwischen den Füssen hatte. Ich weiss jetzt auch nicht wer sich mehr erschrocken hat.
Den Tag haben wir dann wieder in einem, für die Gegend typischen Ramenladen ausklingen lassen und haben uns dann gegen 9 Uhr auf den Heimweg gemacht. Um 1 Uhr haben wir dann endlich wieder das Dorm erreicht (man erinnere sich, dass es ja nur 134 km waren). Also dann gleich ins Bett gehuscht weil es schon 6 Stunden später weiter gehen sollte.
Am Samstag hatten wir dann geplant die Gegend um Hakone unsicher zu machen. Hakone bietet unheimlich viel unberührte Natur im Gebirge. Naja, leider kann ich hier eigentlich auch schon fast aufhören zu erzählen weil wir Hakone nie erreicht haben. Hakone befindet sich laut Navi 53 km von unserem Dorm entfernt. Als wir dann um 14 Uhr immer noch im Auto saßen und unser Ziel immer noch nicht erreicht hatten war dann auch dem Letzten von uns klar, dass der Tag wohl vollends im Auto enden würde. Ein kleiner Trost war dann wenigstens noch, dass wir auf dem Weg an einer Japanischen Burg vorbeigekommen sind, die wir uns dann angesehen haben. Es war mal ganz interessant zu sehen was die Japaner unter Burgen verstehen, die eigentlich so gar nicht mit den europäischen Burgen vergleichbar sind.
Viel Zeit lassen konnten wir uns dann auch nicht, da wir den Mietwagen am Abend wieder abgeben mussten und für die Rückfahrt von 53 km dann 4,5 Stunden eingeplant haben was sich auch als sehr weise rausgestellt hat. Nach dem Wochenende hatte ich mir geschworen nie wieder über die A8 zu schimpfen, die dagegen wirklich ein wahrer Segen ist. Somit war das Thema Autofahren auf Japans Straßen auch ein für alle mal erledigt.
Sonntag wurde dann erstmal richtig ausgeschlafen und bei herrlichem Sonnenschein sind wir dann mit kurzer Hose und T-Shirt unser Frühstück einkaufen gegangen (man bedenke, dass wir schon fast Dezember haben). Nach dem Frühstück hat sich die Gruppe dann aufgeteilt. Die eine Hälfte ist im Dorm geblieben und hat sich auf dem Dach gesonnt und die andere Gruppe, zu der ich gehört habe, sind nach Ikebukoro gefahren wo sich das Sunshine City befindet. Das soll angeblich das größte Einkaufszentrum der Welt sein. Den Namen City hat es auch wirklich nicht zu Unrecht. Auf rund 4 Etagen, wobei jede Etage ungefähr so groß ist wie das gesamte Breuningerland in Sindelfingen, bekommt man wirklich Alles was das Herz begehrt. Was für so manche Frau ein Paradies ist, ist hier wahrscheinlich für jeden Mann so ziemlich die Hölle auf Erden. Nach dem Einkaufen bin ich dann noch schnell ins Reisebüro geflitzt um mir Informationsmaterial für meinen Winterurlaub in Nagano zu holen. Leider konnte in dem Reisebüro keiner Englisch, so dass ich meinem Ziel nicht wirklich näher gekommen bin. Heute habe ich dann in der Mittagspause meinen japanischen Freund konsultiert mir bei der Planung aus den Katalogen zu helfen. Nach ungelogen einer halben Stunde hat der Golf dann die Kataloge in die Ecke gepfeffert weil selbst er, als Japaner, in diesem Gewirr von Preisen und komischen Angaben mir nicht weiter helfen konnte. Ist jetzt mein Urlaub in Gefahr?……wer weiß! Ich weiß nur eins,... manchmal spinnen die Japaner und blicken selbst nicht mehr durch.


In diesem Sinne, viele liebe Grüße
Benny

P.S. Die Bilder von dem Post zuvor, die ihr hier drunter seht sind wirklich von uns gemacht worden und keine Fotographien aud dem Internet oder so!!!!!!!